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Judentum

Julie Israel verh. Adler: Hochberg – Cannstatt – New York – Thionville (Folge 3)

Julie Israel verh. Adler: Hochberg – Cannstatt – New York – Thionville (Folge 3)

Mit ihrem Mann Emanuel konnte sich Julie Israel verh. Adler aus Hochberg in der NS-Zeit in die USA retten. Von 1939 bis 1946 lebte das Ehepaar in New York, zuletzt auf Long Island. Am 10. September 1946 kehrten die beiden aber wieder nach einer Atlantiküberquerung mit der Queen Mary von New York mit Ziel Southampton nach Europa zurück. In den Passagierlisten der Queen Mary ist „Transit France“ vermerkt. Die Einreise in Frankreich erfolgte am 15.09.1946. Nachdem das Paar die letzten sechs Jahre beim Sohn Hans in New York verbracht hatte, ging es nun zur Tochter Fanny nach Thionville. Die in Cannstatt geborene Fanny hatte am 07.07.1933 Arnold Berthold Glaser (1903-1987) aus Thionville geheiratet und die französische Staatsbürgerschaft angenommen. Die Familie Glaser war fester Bestandteil der bedeutenden jüdischen Gemeinde in Thionville und besaß über mehrere Generationen ein Möbelhaus. „Les Meubles Glaserwar eine lokale Institution und bekannt für hochwertige Möbel. 1931 lebten 280 Juden in dieser Stadt, die auch Sitz des regionalen Rabbinats war. Doch 1940 überfielen die Deutschen Frankreich, zerstörten die Synagoge von Thionville und gliederten die Stadt, die von 1871 bis 1918 schon einmal zum Deutschen Reich gehört hatte, erneut dem Reichsgebiet an. Für Fanny Glaser war das eine lebensgefährliche Situation. Es ist dokumentiert, dass es ihr am 24. März 1943 gelang, die Grenze zur Schweiz zu überqueren. Das war sehr gewagt, denn seit dem 4. August 1942 praktizierte die Schweiz die „Zurückweisung an der Grenze“: Wer beim illegalen Grenzübertritt erwischt wurde, wurde an die französische Gendarmerie ausgeliefert, die mit den Deutschen zusammenarbeitete. So wurden die Eltern des bekannten Historikers Saul Friedländer im September 1942 beim Grenzübertritt festgenommen, den Franzosen übergeben und später in Auschwitz ermordet. Man schätzt heute, dass die Schweiz 1933-1945 22.500 jüdische Flüchtlinge aufgenommen und ca. 20.000 an der Grenze abgewiesen hat. Fanny Glaser schaffte es jedenfalls, lebte anscheinend bis Kriegsende in der Schweiz (vermutlich in einem Flüchtlingslager) und kehrte anschließend nach Thionville zurück, wo sich wieder eine kleine jüdische Gemeinde bildete. Fannys Eltern Julie und Emanuel Adler stießen 1946 aus den USA zu ihr. Julie Adler starb am 27.06.1958 in Thionville und wurde auf dem neuen jüdischen Friedhof begraben. Sie erlebte 1957 noch den Wiederaufbau der Synagoge am Ort. Auf dem jüdischen Friedhof in Thionville befindet sich heute ein Mahnmal, das aus Grabsteinen des alten jüdischen Friedhofs besteht, die in der NS-Zeit zerschlagen worden waren. Emanuel Adler starb 1961 in Thionville. Die 1977 interviewten Hochberger erinnerten sich, dass Julie Adler nach 1945 einmal in Hochberg war: „Also noch em zweite Weltkrieg do isch ja Frau Adler, Israels Jule emol da g’wese. Die war aber bloß auf em Rathaus und hat sich erkundigt, und weiter woiß i au net.“ Tochter Fanny Adler starb 2014 mit 101 Jahren in Thionville. Das Ehepaar Julie und Emanuel Adler hatte fünf Enkel. Es gibt Nachkommen in Frankreich und den USA.

Foto: Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof in Thionville, Wikimedia Commons

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