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Judentum

Pessach in Hochberg

Pessach in Hochberg

Das achttägige jüdische Pessachfest findet 2026 vom 1. bis 9. April statt. Es liegt ungefähr zeitgleich mit dem christlichen Osterfest, was kein Zufall ist: Pessach war in der Antike ein Wallfahrtsfest, an dem sich die Juden in Jerusalem am Tempel versammelten. Auch der Jude Jesus war zu diesem Anlass nach Jerusalem gekommen als er verhaftet und hingerichtet wurde.
Eröffnet wird das jüdische Pessachfest mit dem Sedermahl, an dem sechs symbolische Lebensmittel gegessen werden, die an den Auszug aus Ägypten erinnern. Möglicherweise war auch das Abendmahl Jesu mit den neuen „symbolischen“ Lebensmitteln Brot und Wein ein Sedermahl.
Die 1977 interviewten älteren Hochberger erinnerten sich, dass die Juden in Hochberg auch das Pessachfest vorbereiteten: „Im Frühjahr, wenns junge Böckle gebe hot, do sen se g’laufe von Haus zu Haus; die junge Böckle, des isch e Delikatess g’wäe für die. Do hot mer 3 Mark kriegt für ois oder Suppehühner oder en schöne junge Göckel, do sen die Frau g’loffe, die Judefraue.“ Hintergrund für das Interesse der jüdischen Familien an Lämmern ist eines der sechs symbolischen Lebensmittel beim Sedermahl: Seroa ist eine angebratene Lammkeule mit wenig Fleisch, die an die biblische Vorschrift der Opferung eines Pessach-Lamms im Jerusalemer Tempel erinnert. Die Seroa bleibt während des Seders auf dem Teller liegen, da der Tempel in Jerusalem nicht mehr besteht, und wird seitdem nicht mehr gegessen, die übrigen fünf vorbereiteten Speisen hingegen schon. 70 n.Chr. hatten die Römer den Jerusalemer Tempel zerstört und damit ging der Opferdienst zu Ende. Er wurde durch den Gebetsgottesdienst ersetzt. Wenn man sich kein Lamm leisten kann, kann der Schenkelknochen auf dem Sederteller auch durch einen Hühnerknochen ersetzt werden. Der große Rest des geschlachteten Lammes oder Huhns wird dann außerhalb des Sedermahls während der Pessachtage gegessen. Aus der Seroa wurde im Christentum das Osterlamm als Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Auch an diesem Beispiel sehen wir wieder, dass die letzten Hochberger jüdischen Familien die Regeln ihrer Religion bis zum Schluss genau beachtet haben. Allerdings öffneten sie sich gleichzeitig auch anderen Bräuchen. Alice Kusiel verh. Ottenheimer berichtet in ihren Lebenserinnerungen, die sie in den USA für ihre Enkel verfasste, aus ihrer Kindheit in einer jüdischen Familie in Hochberg zu Beginn des 20. Jh.: „Easter was also a big event. Baskets filled with sugar bunnies, candies and Easter eggs and a hanky with a picture woven into it were hidden in the garden.”

Foto: Sederteller mit Platzhaltern für die symbolischen Lebensmittel des Sedermahls

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