
Ergänzungen zu Ida Fellheimer
Letzte Woche haben wir über die Hochberger Jüdin Ida Fellheimer (1876-1910) berichtet, die spätestens 1894 psychisch erkrankte und von 1896 bis 1910 in der privaten Heil- und Pfleg-Anstalt Pfullingen (auch Flamm’sche Anstalt) lebte. Da sich in der Patientenakte aus dieser Anstalt im Staatsarchiv Sigmaringen ein Obduktionsbericht der Leiche Idas fand, sind wir davon ausgegangen, dass Ida Fellheimer zur Obduktion an die Pathologie der Universität Tübingen übergeben wurde, wie das damals bei Verstorbenen aus psychiatrischen Anstalten üblich war. Im Universitätsarchiv Tübingen konnte inzwischen aber im „Leichenbuch der Anatomie“ nachgeschaut werden, wo sich Ida Fellheimer 1910 nicht findet. Eine daraufhin erfolgte Anfrage im Stadtarchiv Pfullingen hat nun Klarheit geschaffen: In den überlieferten Berichten der Flamm’schen Anstalt im Stadtarchiv Pfullingen wird immer wieder auf Obduktionsbefunde eingegangen. Demnach wurde die Obduktion Idas in der Anstalt selbst vorgenommen. Im städtischen Leichenschauregister Pfullingen ist Ida Fellheimer auch für das Jahr 1910 angeführt. Als Todesursache wird Herzlähmung angegeben. Der Leichenschauer war ein Arzt der Pflege-Anstalt Pfullingen selbst, der die Beerdigung zwei Tage nach ihrem Tod gestattete. Im Pfullinger Totenbuch, in das die Bestattungen eingetragen wurden, findet Idas Bestattung aber keine Erwähnung. Sie dürfte daher nach auswärts überführt worden sein. Ein Grabstein Idas findet sich weder auf den jüdischen Friedhöfen in Hochberg, Wankheim (bei Tübingen) oder Buttenhausen (bei Münsingen). Die letzten beiden Friedhöfe sind die nächstgelegenen jüdischen von Pfullingen aus. Es spricht nun einiges dafür, dass die Verstorbene an ihren Heimatort Hochberg überführt wurde und hier bestattet wurde. Da es wohl keine handlungs- und zahlungsfähigen Verwandten mehr gab, kann dies ohne Grabstein erfolgt sein. Auch von Heinrich Herz (1837-1914), nach dem die Hochberger den Kosenamen „Bockherzle“ erhalten haben, gibt es kein durch einen Grabstein markiertes Grab, obwohl er sicherlich auf dem jüdischen Friedhof in Hochberg bestattet wurde. Im oberen, jüngsten und unbelegt erscheinenden Teil des Hochberger jüdischen Friedhofs ist Platz für ca. 15 Gräber. Die durch Grabsteine markierten angrenzenden Gräber stammen aus den Jahren 1907, 1913 und 1925. Möglicherweise wurde Ida in diesem heute frei erscheinenden Feld bestattet. Eine vor wenigen Jahren verstorbene ältere Hochbergerin berichtete auch von einer Bestattung in der NS-Zeit in diesem Bereich, also nach 1933. Kein Grabstein zeugt davon. Der jüngste Grabstein datiert von 1925. 246 Grabsteine sind heute auf dem Friedhof nachweisbar. Gräber dürfte es somit mehr gegeben haben.
Herzlichen Dank an Stefan Spiller vom Stadtarchiv Pfullingen für die Recherche. Das Stadtarchiv Pfullingen hat uns auch eine beeindruckende Zeichnung der Flamm‘schen Anstalt in Pfullingen von 1890 in Vogelschauperspektive zur Verfügung gestellt. Man sieht die noble Anlage. Vater Seligmann Fellheimer zahlte viel für die Betreuung seiner Tochter. Die Insolvenz seines Geschäftes 1906 kurz vor seinem Tod 1907 mag damit zusammenhängen.
Foto: Gesamtansicht der Heil- und Pflege-Anstalt Pfullingen, Stadtarchiv Pfullingen, N-Flamm, v. Nr. 25, um 1890.
















