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Judentum

Die Jüdische Schule in Aldingen

Die Jüdische Schule in Aldingen

 

Auch die Aldinger jüdische Gemeinde hatte zeitweise eine eigene Jüdische Schule. Sie befand sich im Dachgeschoss des Hauses Kornwestheimer Straße 12.  Während die Hochberger jüdische Gemeinde 1850 300 Mitglieder hatte, waren es in Aldingen nur 122. Ab 1850 schrumpften beide Gemeinden stark: 1872 wurde die Aldinger Gemeinde aufgelöst, 1910 die Hochberger. Es gab in Aldingen kein eigenes jüdisches Schulhaus wie in Hochberg mit Mikwe (Ritualbad) im Keller, Klassenzimmer und Lehrerwohnung am heutigen Alexandrinenplatz, sondern nur die Nutzung eines Stockwerks im Wohngebäude in der Kornwestheimer Straße bis 1857, das dem jüdischen Gemeindevorsteher Wolf Levi gehörte. Während die Hochberger Schule bereits um 1818 und damit 10 Jahre vor der endgültig verfügten Schulpflicht für jüdische Kinder in Württemberg gegründet wurde, eröffnete die Jüdische Schule in Aldingen erst 1832. Es handelt sich offensichtlich um eine Reaktion auf die Durchsetzung der Schulpflicht 1828: Bestand keine jüdische Schule am Ort, mussten jüdische Kinder die christliche Volksschule besuchen. Juden in Aldingen gab es seit 1729, in Hochberg erst seit 1760. Die Hochberger Juden waren somit eher aktiv in Sachen eigener Schule, die Aldinger eher reaktiv.
Die Aldinger Jüdische Schule bestand bis 1862, also 30 Jahre lang. Dann wurde sie in Ermangelung von Kindern aufgelöst und die neun Kinder der letzten jüdischen Familien am Ort besuchten fortan die christliche Volksschule, erhielten aber zusätzlich beim Vorsänger der jüdischen Gemeinde Hebräisch- und Religionsunterricht noch bis 1872. Der hebräische Sprach- und Schrifterwerb war ein hochrangiges Ziel, denn im Talmud heißt es: „Mit 5 Jahren zur Schrift, mit 10 zur Mischna, mir 13 zu den Geboten, mit 15 zum Talmud“ (Sprüche der Väter 5,24). Wegen dieser religiösen Pflicht zum Hebräischlernen ab dem 5. Lebensjahr gab es auch schon vor der Schulgründung 1832 Hebräischunterricht in Aldingen in Privathäusern durch den Vorsänger der jüdischen Gemeinde oder durch Wanderlehrer, die häufig nur ein halbes Jahr am Ort blieben. Für 1748 ist ein Isak Wolf belegt, in den 1820er Jahren unterrichtete der Vorsänger Max Gotthelf die Kinder.
1850 bis 1854 war Samson Falk (Onkel von Adolf Falk) Lehrer der Jüdischen Schule Aldingen. Die Beamtenbesoldung war aber so dürftig, dass er 1854 den Dienst quittierte und nach Amerika auswanderte. Er schrieb: „Noch vor zwei Jahren trug ich mich mit der Hoffnung, wenn nicht in Aldingen, so doch auf einer besseren Stelle nicht nur ein bleibend gutes Auskommen zu finden, sondern noch mehr leisten zu können. (…) Mit meinem schmalen Gehalt sehe ich mich nicht imstande, in jetziger Situation einen eigenen Herd zu gründen, meine alten Eltern genügend zu unterstützen und meine Schwester zu versorgen. Dazu kommen düstere Zukunftsaussichten, da gerade die Intelligenteren und Industriellen auswandern. Auch ich will nach Amerika auswandern, um dort zu versuchen, die genannten Zwecke eher zu erreichen, als es hier im Lande möglich.“

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