
Gedenken an die Reichspogromnacht: 9. November 2025
Am Sonntag, den 9. November 2025 waren 35 Besucherinnen und Besucher gekommen, um in der ehemaligen Synagoge der Pogromnacht 1938 zu gedenken. Dieter Jäger, 2. Vors. Beth Shalom wies in seiner Einleitung darauf hin, dass das jährliche Gedenken kein leeres Ritual sein dürfe, sondern etwas in der Welt verändern müsse. Die Erinnerung müsse eine Lehre sein, Hass, Antisemitismus und Rassismus heute abzuwehren. Hieran knüpfte Remsecks Erster Bürgermeister Jo Triller an und strich unsere Verantwortung für die Zukunft heraus, dass Hass und Ausgrenzung nicht an Boden gewinne. Schülerinnen und Schüler der Klasse 6a der Wilhelm-Keil-Schule Remseck präsentierten ein Video, in dem sich die Klasse Gedanken über den Sinn der Erinnerung gemacht hatte und Assoziationen für eine friedliche Welt festhielt. Die Schülerinnen und Schüler verteilten an alle Besucher ein Licht zum Gedenken.
Kai Buschmann stellte dieses Jahr beim Gedenken Adolf Falk, den letzten Hochberger Juden in den Mittelpunkt. Lange hatte es geheißen, dass der verwitwete Adolf Falk 1939 80jährig und krank zu seinem Sohn nach London gezogen sei, um versorgt zu werden. Diese Spur hatte schon im Juni 1946 der Hochberger Bürgermeister Alfons Engler (1946-1948) gelegt, der bei einer kreisweiten Erhebung über das Schicksal der Juden in der NS-Zeit an das Landratsamt zurückmeldete, dass Falk „freiwillig nach London ausgewandert“ sei. Bezüglich einer Verfolgung von Juden könne er daher „Fehlanzeige“ melden. Auch wurde in den siebziger Jahren kolportiert, dass Falk Hochberg nur wegen seiner jüdischen Haushälterin verlassen habe und persönlich gar nicht weggehen wollte. Heute ist klar, dass Adolf Falk durch die antijüdischen Verordnungen, die nach der Reichspogromnacht im November und Dezember 1938 erlassen wurden, seinen Beruf als selbständiger Metzger aufgeben, sein Haus kurzfristig verkaufen und als „Judenvermögensabgabe“ einen Teil seines Ersparten an das Finanzamt Ludwigsburg abführen musste. Ihm blieb keine andere Wahl, als zu seinem Sohn Hugo nach London auszuweichen. Als 1925 seine Frau Karoline starb, schrieb eine Zeitung, er werde wohl „zu seiner Tochter nach Baisingen übersiedeln“. 1928, zu seinem 70. Geburtstag, schrieb die Ludwigsburger Zeitung jedoch: „Trotz dem Wunsche seiner Verwandten, von hier wegzuziehen, will er doch, nachdem er seit einigen Jahren verwitwet ist, seiner Heimatgemeinde treu bleiben und seinen Lebensabend hier verbringen.“ Am 22. Mai 1939 war Tochter Julie schon aus Baisingen in die Schweiz entkommen. Adolf Falk reiste am 20. Juli 1939 zu seinem Sohn Hugo nach London, der dort bereits seit 1905 lebte. Er starb am 5. Oktober 1943 in London voll Heimweh nach seinem Hochberg, in dem er 80 Jahre seines Lebens verbracht hatte.
Peter Grossmann trug für den Gemeinderat die „Remsecker Erklärung“ vor. 2018 hatten sich alle Fraktionen des Gemeinderats anlässlich des 80. Jahrestages der Pogromnacht auf diesen Text verständigt, in dem es unter anderem heißt: „Wir gedenken der vielen Millionen Toten und aller, die starben, als Wahnsinn die Welt regierte und das Böse wie leibhaftig in der Welt wohnte. Wir anerkennen mit Scham, dass jenes Böse von diesem Land ausging, in dem wir heute leben. (…) In unserem täglichen Kampf gegen Ungerechtigkeit, menschliche Grausamkeit und Vorurteile, gegen Tyrannei und Verfolgung gibt uns die nicht verblassende Erinnerung Kraft und leitet uns an, heute gemeinsam eine Welt zu bauen, die in allen gesellschaftlichen Belangen und zu jeder Zeit die Würde aller Menschen anerkennt, bewahrt, und schützt.“
Für die musikalische Umrahmung der Gedenkveranstaltung sorgte Sergej mit melancholischen Liedern auf dem Akkordeon aus der Ukraine.
















