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Hauptstraße 37, 71686 Remseck
Judentum

„Hirsch“ in Hochberg: Keine jüdische Gaststätte

„Hirsch“ in Hochberg: Keine jüdische Gaststätte

An der Stelle, wo sich heute in der Hochberger Hauptstraße „Schäfers Deli“ befindet, existierte einst ein Gasthaus „Hirsch“, über das bisher wenig bekannt ist. Erzählt wird, dass es sich um eine jüdische Gaststätte gehandelt habe. Sollte es neben der „Rose“ in der Hauptstraße 16 und dem „Gastgeber Thalheimer“ am Alexandrinenplatz eine dritte jüdische Gaststätte in Hochberg gegeben haben? Gertrud Bolay hat in den 90er Jahren viel über die historischen Hochberger Gaststätten geforscht. Daraus ist 1998 die veröffentlichte Studie über die Geschichte des „Adler“ in Hochberg entstanden. Bolays Forschungen zu den übrigen Gasthäusern wanderten unveröffentlicht ins Stadtarchiv, wo sich jetzt ihre Recherchen zum „Hirsch“ fanden: Demnach wurde das Gebäude „Hauptstraße 14“ vom Metzger Florian Trefz 1768 errichtet, 1774 ging es an den Metzger Christoph Pfuderer über, der 1786 auch die Konzession für das Gasthaus „Zum Hirschen“ erhielt. Er und sein Sohn Heinrich betrieben die Wirtschaft wenig erfolgreich und so firmierte 1805 der neue Wirt und Bäcker Jakob Eberwein die Gaststätte von „Hirsch“ zu „Lamm“ um. Aber auch er scheiterte und verkaufte 1811 das Haus an den Hochberger Schutzjuden Samuel Kaufmann. Damit kam das Haus erstmals in jüdischen Besitz und die Geschichte der Gastwirtschaft endete vorerst, denn Samuel Kaufmann war als Handelsmann aktiv. Sein Sohn Isaak Kaufmann nutzte die für Juden neue Möglichkeit des 1828 verabschiedeten württembergischen Israelitengesetzes, ein Handwerk zu lernen. Er ließ sich zum Metzger ausbilden und betrieb von 1849 bis 1864 im Gebäude eine Metzgerei, aber keine Gaststätte. Jüdischen Schächtern war es nicht erlaubt, in den direkten Kleinhandel mit Fleischprodukten an den Kunden heranzutreten. Sie durften geschächtete Tiere nur „viertelweise“ meist an christliche Metzger oder Gastwirte abgeben. Dadurch sollte verhindert werden, dass sie als Konkurrenten der Metzger beim Kleinkunden auftreten. Isaak Kaufmann konnte als gelernter Metzger nun erstmals den Direktverkauf von Fleisch „pfundweise“ vornehmen. Erst als Isaak Kaufmann 1864 nach Cannstatt verzog und das Haus an den Metzger Johann Georg Brandner, den Sohn des Adlerwirtes verkaufte, kam es zu einem erneuten Gaststättenversuch: 1875 bestand wieder die Wirtschaft „Zum Hirsch“ neben der Metzgerei. 21 Jahre betrieb Brandner die Wirtschaft, verkaufte dann an Gottlob Rau, dem das Oberamt Waiblingen aber die Konzession für die Wirtschaft verweigerte, weil in Hochberg schon sieben Gaststätten beständen. Dass im Nachbarhaus seit 1869 ein christlicher Wirt die ursprünglich jüdische Gaststätte Rose betrieb, mag auch eine Rolle gespielt haben. So fiel das Haus von Rau an Löwenwirt Heinrich Rath, der natürlich keine konkurrierende Wirtschaft dort haben wollte. Seit 1922 wird die Metzgerei der Familie Schäfer in der Hauptstraße 14 betrieben. Fazit: Die Gaststätte Hirsch gab es von 1786 bis 1811 (1805 bis 1811 unter dem Namen „Lamm“) und von 1875 bis 1896. Von 1811 bis 1864 war das Haus in Besitz der jüdischen Familie Kaufmann, die aber keine Gastwirtschaft betrieb. Vater Samuel wirkte als Kaufmann, Sohn Isaak als Metzger. Eine jüdische Gastwirtschaft „Hirsch“ gab es nie.

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