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Judentum

Der alte jüdische Friedhof in Ludwigsburg: Schmai und Simon Weis

Der alte jüdische Friedhof in Ludwigsburg: Schmai und Simon Weis

Der Historiker Prof. Dr. Tobias Arand von der PH Ludwigsburg – bekannt durch ein neues Buch über den 1870er Krieg, erzählt in Einzelschicksalen der „kleinen Leute“ – bot im September 2025 eine Führung über den Alten Friedhof in Ludwigsburg an. Thema war die Darstellung des 1870er Krieges auf Gräbern und Denkmälern. Da die erste Bestattung auf dem jüdischen Teil des Friedhofs 1870 die eines jüdischen Kriegsopfers von 1870 war, machte Arand auch den durch eine hohe Mauer abgeschlossenen alten israelitischen Friedhof zugänglich. Dort sind 102 jüdische Gräber zu finden. Die letzte Bestattung fand 1920 statt. Auf den ersten Blick sieht man, dass sehr viele ehemalige Hochberger Juden hier begraben wurden, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Hochberg nach Ludwigsburg umzogen. Meist war dieser Umzug mit einem wirtschaftlichen Aufstieg verbunden und so bestehen die Grabsteine aus Granit oder aus Buntsandstein mit eingelassenen Marmortafeln. Dies im Gegensatz zu Hochberg, wo der preiswerte örtliche Sandstein für Grabsteine verwendet wurde. Bereits in den 1890er Jahren zeichnete sich ab, dass der Friedhof in Ludwigsburg bald fast voll belegt sein würde und nach langen Verhandlungen wurde 1904 der neue israelitische Friedhof als Teil des neuen Ludwigsburger Friedhofs eröffnet.
Typisch für Hochberger Gräber in Ludwigsburg sind die der Brüder Schmai (geboren 1804 in Hochberg, gestorben 1873 in Ludwigsburg) und Simon Weis (geboren 1809 in Hochberg, gestorben 1891 in Ludwigsburg). Die Brüder erbten von ihrem Vater Ascher Weis das Haus Hauptstraße 24 in Hochberg, welches sie 1886 an die Gemeinde Hochberg verkauften, die dann das Rathaus des Dorfes im Gebäude einrichtete (heute „Altes Rathaus“ genannt). Beide Brüder waren in den 1830er und 1950er Jahren Vorsteher der Hochberger jüdischen Gemeinde. Von 1883 bis 1889 verwaltete Simon Weis die Finanzen der jüdischen Gemeinde Hochberg und kümmerte sich auch um die Verwaltung der ein Dutzend jüdischen Stiftungen im Ort. Bereits seit den 70er Jahren betrieb er seinen Viehhandel mit seinem nach Ludwigsburg gezogenen Sohn Oskar sowohl in Hochberg als auch in Ludwigsburg und zog im Alter dann ganz zu seinem Sohn. Die Nachkommen seiner fünf Kinder konnten der Shoa durch Emigration in die USA, nach Brasilien, Großbritannien und in die Schweiz entkommen mit Ausnahme von Enkelin Isabella, die 1937 aus Ludwigsburg nach Frankreich auswanderte. Nach der deutschen Besetzung Nordfrankreichs 1940 wurde sie mit ihrer Tochter Hannelore ins berüchtigte Sammellager Drancy bei Paris gebracht. Beide wurden am 20.01.1944 in Auschwitz ermordet.

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