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Judentum

Das Kriegsende 1945 in Hochberg

Das Kriegsende 1945 in Hochberg

Elise Engel, 1931 in Karlsruhe geboren, kam im Frühjahr 1938 mit ihrer Familie nach Hochberg. Ihr Vater Karl Gabler übernahm die Gastwirtschaft Krone mit Bäckerei und Wohnung am Alexandrinenplatz (heute Änderungsschneiderei). Die heute noch in Hochberg wohnende 95jährige erinnert sich, dass 1945 in der Krone im 1. Stock eine ausgebombte Familie „Dr. Haller“ aus Cannstatt gewohnt habe. Im April 1945 stand direkt vor der Krone bei der heutigen Abbiegung der Neckarremser Straße zum Lerchenrain eine vom „Volkssturm“ aufgebaute Panzersperre. Die alliierten Truppen rückten von Neckarrems auf Hochberg vor. Dr. Haller habe sich mit dem anrückenden Truppenführer auf Französisch unterhalten. Hochberg wurde kampflos übergeben. Frau Engel stellt daher die Frage, ob es sich zunächst um französische Truppen gehandelt habe, bevor Amerikaner nachrückten. Sie erinnert sich an den „Einmarschtag“: Die Krone wurde wie andere Häuser von den Soldaten gründlich durchsucht und alle Bewohner mussten bis abends im Keller sitzen. Anschließend gab es eine Ausgangssperre. Die Panzersperre wurde in kurzer Zeit abgebaut.

Leider sind wir über das Kriegsende in Hochberg nicht so genau informiert wie in Neckarrems, Neckargröningen und Hochdorf. Im Juli 1948 wurde auf Anregung von Oskar Paret vom Württembergischen Statistischen Landesamt ein 15 Punkte umfassender Fragebogen an alle Gemeinden zum Geschehen bei Kriegsende verschickt. Während die Neckarremser und Neckargröninger Bürgermeister ausführlich und der Hochdorfer Schultes knapp geantwortet haben, ignorierten die Aldinger und Hochberger Bürgermeister die Erhebung komplett. Immerhin meldete der Poppenweiler Schultes zurück, dass die Hochberger Brücke „am 20. April 1945 abends von deutschen Truppen gesprengt wurde, die anschließend ihre Uniformen in den Neckar warfen und den Krieg für sich als beendet ansahen.“ Aus dem Bericht des Neckarremser Schultes wissen wir, dass die Neckarremser Neckarbrücke zur selben Zeit gesprengt wurde, die Sprengung der Remsbrücke aber verhindert werden konnte, weil „beherzte Leute die bereitliegenden Bomben nachts von der Brücke wegfuhren und in den Steinbruch in der Holzsteige warfen.“ Bekannt ist auch, dass am 21. April zwischen 17 und 18 Uhr die Franzosen von Ludwigsburg vorrückend Neckargröningen und Aldingen besetzten und die Sprengung der Schleusenbrücke in Aldingen verhinderten. Die Franzosen hätten also an dieser Stelle den Neckar queren und auch die intakt gebliebene Remsbrücke nutzen können. Der Neckarremser Bürgermeister berichtet aber ganz klar, dass am 21. April „der Neckar (durch die Franzosen) nicht überschritten“ wurde. Neckarrems sei am 22. April von Amerikanern „von Schwaikheim kommend“ besetzt worden. Über Hochberg heißt es im ersten Gemeinderatsprotokoll nach dem Krieg (Oktober 1945) leider unklar, dass der Ort ab dem 21. April von „alliierten Besatzungsmächten“ verwaltet worden sei. Wilhelm Streng konkretisiert 1959 in seiner Hochberger Ortschronik: „Am 21. April 1945 wurde auch Hochberg von den alliierten Streitkräften besetzt. Es war eine starke amerikanische Panzertruppe, die einrückte.“ Da wir von Schwaikheim wissen, dass dieser Ort bereits am 20. April, 15.50 Uhr von Amerikanern besetzt wurde, ist es wahrscheinlich, dass sich der Neckarremser Bürgermeister bei seiner Darstellung um einen Tag vertan hat und auch Neckarrems schon am 21. April besetzt wurde. Von dort erreichten am gleichen Tag die Amerikaner Hochberg, von wo aus Hochdorf dann am 22. April, 13 Uhr besetzt wurde. Dr. Haller scheint am 21. April mit den einrückenden Amerikanern auf Französisch gesprochen zu haben, weil diese Sprache mangels Englischkenntnissen die Kommunikationsbrücke zu ihnen war. So lassen sich die Aussagen zurzeit am besten harmonisieren. Danke an Berit Krause und Mario Roemer vom Stadtarchiv für Recherchehinweise.

Foto: 21. April: Alliierte Truppen besetzen ein Dorf bei Tübingen, SIRPA Informationsservice des franz. Verteidigungsministeriums (aus Gerhard Junger: Schicksale 1945, 1991, S.353)

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