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Hauptstraße 37, 71686 Remseck
Judentum

Eine Erinnerung an Adolf Falk von Elise Engel

Eine Erinnerung an Adolf Falk von Elise Engel

 

Elise Engel geb. Gabler, 1931 in Karlsruhe geboren, dann in Mühlhausen wohnend, kam im Frühjahr 1938 als Siebenjährige mit ihrer Familie nach Hochberg und wurde in der 1. Klasse der Volksschule Hochberg aufgenommen. Frau Engel erzählte uns jetzt, dass sie sich noch an Adolf Falk, den letzten Juden in Hochberg erinnert:

Ihr Vater Karl Gabler übernahm zum 1. April 1938 die Gastwirtschaft Krone mit Bäckerei und Wohnung am Alexandrinenplatz (heute Agenta‘s Änderungsschneiderei). Karl Gabler war Bäcker und Konditor und bot erstmals Kaffee und Kuchen in der Wirtschaft an. 1941 wurde Karl Gabler zum Militärdienst eingezogen. Er ist in Russland verschollen. Elise war seitdem mit ihrer Mutter und Schwester allein. 1946 zog die Mutter mit den zwei Töchtern wieder nach Mühlhausen zu den Großeltern zurück. Anfang der sechziger Jahre kehrte sie mit ihrem Ehemann wieder nach Hochberg zurück.

Jeden Morgen hat die damals siebenjährige Elise von April 1938 bis Juli 1939 auf ihrem Schulweg von der Krone am Alexandrinenplatz zur Volksschule bei der Schlosskirche Adolf Falk in der Hauptstraße 18 einen Doppelwecken zum Frühstück aus der elterlichen Bäckerei vorbeigebracht. Ab und zu habe sie von Adolf Falk hierfür 1 Pfennig bekommen, den er aus der Tasche seiner Lederweste gezogen habe. Im Sommer sei es eine Weste ohne Arme, im Winter eine Lederjacke mit Ärmeln gewesen. Immer habe er auch im Haus eine Lederkappe mit kleinem Schirm vorne getragen. Falk habe am Wochenende im Voraus die ganze Wochenration Brötchen bei den Eltern in der Krone-Bäckerei gezahlt. Manchmal habe in der Hauptstraße auch die Haushälterin Sophie Neumann den Frühstückswecken entgegengenommen. Da wir genau wissen, dass Adolf Falk am 20. Juli 1939 Hochberg Richtung London zu seinem Sohn verließ, da die antijüdischen Verordnungen nach der Reichspogromnacht im November 1938 ihm ein Leben in Deutschland unmöglich machten, können wir den geschilderten Botinnendienst genau zwischen April 1938 und Juli 1939 datieren.
Frau Engel vermachte Beth Shalom auch die abgebildete Zeichnung des Gasthauses Krone nach einer Fotografie von Herrn Obstdicker aus Aldingen. Von 1938 bis 1946 war die Krone ihr Zuhause. Das Bild wird in der Ausstellung in der ehemaligen Synagoge seinen Platz finden. Gegründet wurde die Gastwirtschaft 1837 von Manasse Löw Thalheimer, der das Haus als zweite jüdische Gastwirtschaft in Hochberg neben der Rose bis 1865 betrieb. Sein Sohn Samuel Thalheimer war nur zwei Jahre Wirt bis 1867, dann folgte Samuels Schwager Abraham Löwensohn bis 1883. Dessen Witwe Nanette verkaufte die Gastwirtschaft dann an den ersten christlichen Wirt Friedrich Huiß (Wirt bis 1903).

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