
Der Laden Fellheimer in Hochberg
Arnd Breuning (1939-2020) war von 1973 bis 1980 Pfarrer der Margaretenkirche in Aldingen. Neben Wilhelm Streng war er ein Pionier der Erforschung der jüdischen Geschichte Hochbergs. Ihm folgten Heinz Pfizenmayer, Gertrud Bolay, Eduard Theiner und Ulrike Sill. Breuning hat 1977 ältere Hochberger zu ihren Erinnerungen an die letzten Juden am Ort interviewt und die Tonbandaufzeichnungen dann in exaktem Schwäbisch transkribiert. In einem Hochberger Nachlass haben sich nun 24 Seiten dieser Aufzeichnungen gefunden. Elsa Leibfahrt war 1977 beim Interview 92 Jahre alt. Ihre Erinnerung reichte noch an das Ende des 19. Jh. zurück. Sie erinnerte sich an den letzten Einkaufsladen, der von einer jüdischen Familie in Hochberg betrieben wurde: In der Hauptstr. 7 befand sich gegenüber der Metzgerei Schäfer von 1871 bis 1906 der Laden von Seligmann und Fanny Fellheimer. Seligmann Fellheimer war ab 1882 einer der letzten Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Hochberg. Elsa Leibfahrt berichtet: „Ein Geschäftshaus war’s, … der hot Hemdestoff g’hätt, Wäsch- und Kleiderstoff, alles hen se g’hätt und Spezerei. Des war en netter Lade, mer hot alles kaufe kenne. Vis-a-vis vom Metzger Schäfer. Die hen drei Kinder g’habt, ein Sohn, Ludwig hat der g’heißen, der isch nach Marbach in d’Schul gange und die Töchter Selma und Anna.“ (Gertrud Bolay hat später in ihrem Buch noch zwei ältere Kinder Siegfried und Ida nachgewiesen). Die Fellheimers „hen alles g’hätt, we mer kein Zucker g’hätt hot no hot mer bei dene ein Sießstoff g’kriegt als Kend.“ Auch Gotthilf Fischer, damals 79 Jahre alt, erinnerte sich an den Laden, der 1906 in Konkurs ging: „Dann isch alles versteigert worde im Adler dunde em Saal.“
Gertrud Bolay hat zu den fünf Kindern in ihrem Buch 2001 recherchiert: Siegfried wanderte nach Amerika aus, Ida war geistig behindert und lebte in einem Heim in Pfullingen, Selma lebte später in Stuttgart und starb 1931. Über Anna und Louis/Ludwig war damals nichts weiter bekannt. Inzwischen konnte Louis Fellheimer als 1912 in Frankfurt am Main wohnhaft und verheiratet mit Karoline Büchner und der Berufsbezeichnung „Tapezierer“ nachgewiesen werden. Was mit Ida, Anna und Louis in der NS-Zeit geschah, ist bisher nicht bekannt. Den Laden in der Hauptstraße 7 dann mit Schwerpunkt Lebensmittel, einen klassischen Tante-Emma-Laden, gab es übrigens noch bis Ende des 20. Jh. in den Erdgeschossräumen. Dann war einige Jahre eine Änderungsschneiderei dort untergebracht.















