
Bernhard Herz: Start einer Juwelierskarriere in Hochberg
Auf dem Israelitischen Teil des Stuttgarter Hoppenlau-Friedhofs neben der Liederhalle, auf dem zwischen 1834 und 1873 die Stuttgarter Juden bestattet wurden, fällt ein Grab besonders ins Auge: Zwischen den vorherrschenden aufrechten und recht einheitlichen klassizistischen Grabstelen findet sich ein Pultstein aus Buntsandstein mit einer Platte aus Marmor. Das auffällig abweichende Grab gehört Bernhard Herz (1804-1873). Er war Königlicher Hoflieferant und Inhaber einer Juwelen- und Antiquitätenhandlung in Stuttgarts Zentrum. Von 1857 bis 1863 war Herz Vorsteher der Stuttgarter jüdischen Gemeinde. Das hervorgehobene Grabmal spiegelt somit eine herausgehobene Stellung des Verstorbenen im Leben.
Wenig bekannt ist, dass Bernhard Herz über Hochberg nach Stuttgart kam. Der in Dessau/Preußen geborene Herz bewarb sich im September 1840 um das Hochberger Bürgerrecht, da er erfolgreich Handel mit Edelsteinen „in Württemberg und den angrenzenden Staaten“ betrieb und seinen Lebensmittelpunkt in den Südwesten verlegen wollte. Trotz der Vorlage ausgezeichneter Zeugnisse („nichts Böses zur Last gelegt“, „jederzeit fleißig und rechtschaffen“) lehnte der Hochberger Gemeinderat den Antrag zunächst ab. Offensichtlich erhielt Herz aber ein Signal, wie man miteinander zu Schlag kommen könne, denn im November 1840 stellte er einen erneuten Antrag und erklärte, „an die Gemeindepflege 30 Gulden für Arme und an die Stiftungspflege 25 Gulden (zu) bezahlen“. Jetzt war der Gemeinderat einverstanden, aber der Bürgerausschuss legte sich quer. Nachdem Herz noch vier doppelte Friedrichstaler in Gold hinterlegt hatte, wurde auch diese Hürde genommen: Am 17. Mai 1841 erhielt er das Hochberger Bürgerrecht. Nicht nur die Nothaft und die von Gemmingen als Hochberger Ortsherren im 18. Jh., sondern auch die bürgerliche Gemeinde Hochberg im 19. Jh. sanierte somit mit der Aufnahme von Juden den Gemeindehaushalt. 1842 heiratete Herz Ella Lazarus, die Tochter des Juweliers Leopold Lazarus aus Esslingen. Auch Ella wurde in das Hochberger Bürgerrecht aufgenommen. Der Schwiegervater hatte aber schon 1837 in Stuttgart eine Goldwarenhandlung in der Königstraße 43 eröffnet und zog den Schwiegersohn 1844 nach Stuttgart nach, so dass Hochberg nur für vier Jahre der Einstiegsort für den Aufstieg Herz‘ in Württemberg war. Durch regelmäßige Anzeigen im Schwäbischen Merkur lässt sich das Herzsche Juweliergeschäft in Stuttgart gut verfolgen: 1844-1851 in der Tübinger Str. 13, 1851-1855 Königstraße 19, 1855-1858 Kanzleistr. 8, 1858-1863 Königstr. 42, 1863-1865 wieder Königstr. 19, 1865 Königstr. 35 und 1871 wieder Königstr. 19. Schon im 19. Jh. waren Juweliere Ziele von Kriminellen: 1848 wurde über einen Diebstahl bei Herz im Wert von 1400 Gulden in allen südwestdeutschen Zeitungen berichtet und auch 1866 kam es zu einem Betrugsfall. In beiden Fällen wurden die Täter überführt und zu Zuchthausstrafen verurteilt.
Bernhard und Ella Herz hatten sieben Kinder, von denen vermutlich nur zwei sie überlebten: Ferdinand (1844-1896) und Joseph (1856-1934). Beide Söhne wanderten von Stuttgart nach Paris aus. Der Enkel Bernard André Herz (geb. 1877) wurde am 7.9.1943 in Auschwitz ermordet. In Frankreich gibt es bis heute Nachkommen.
















